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Arbeit an weiterem Meilenstein

Tribunal zur Seligsprechung von Luise Löwenfels trifft sich in Dernbach
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© Arme Dienstmägde Jesu Christi

Tische mit Dokumenten, daneben Stühle, darauf liegen Mappen und Zeitungsausschnitte. Im zweiten Stock im Mutterhaus der „Armen Dienstmägde Jesu Christi“, auch bekannt als „Dernbacher Schwestern“, wird gearbeitet und das ist sichtbar. Schwester Christiane Humpert kümmert sich dort am Mittwoch, 11. April 2018, mit den anderen Mitgliedern des Seligsprechungstribunals darum, dass es in der Seligsprechung um Luise Löwenfels - eine Dernbacher Schwester, die gemeinsam mit Edith Stein im Konzentrationslager Auschwitz ermordet wurde - weiter geht.

Am Seligsprechungsverfahren sind drei Diözesen beteiligt: das Erzbistum Bamberg, da Luise Löwenfels in dem Bistum geboren wurde und aufgewachsen ist, das Bistum Roermond, dort ist sie in den Orden der Armen Dienstmägde Jesu Christi eingetreten und dort hat sie gelebt, bevor sie deportiert wurde, und schließlich das Bistum Limburg, denn dort wurde der Orden der Armen Dienstmägde Jesu Christi von Katharina Kasper gegründet.

Sammlung der Zeugnisse

„Es ist ein großer Arbeitstag. Wir haben viele Dokumente gesammelt, die wir nun zusammenstellen“, erklärt Schwester Christiane. Sie ist die Postulatorin im Prozess der Seligsprechung, das heißt sie sammelt die Unterlagen rund um Löwenfels und macht sie bekannt. Zudem verwaltet die Postulatorin die finanziellen Mittel eines solchen Verfahrens.

Bevor nun die Zeugnisse rund um Löwenfels zur Kongregation für die Selig- und Heiligsprechungsprozesse nach Rom geschickt werden, müssen die Dokumente von Kirchenhistorikern begutachtet und wissenschaftlich bestätigt werden. „Wir stellen Zeugenaussagen von Zeitzeugen und andere Dokumente zusammen und schauen, wie wir die Verehrung nachweisen können. Es ist wichtig, dass wir bei dieser Etappe, die zwischendrin liegt, zusammen arbeiten“, erklärt Schwester Christiane. Zusammenarbeiten, das heißt in diesem Fall, dass sich die Beteiligten aus den Diözesen Limburg, Bamberg und Roermond in den Niederlanden in Dernbach treffen und gemeinsam auswählen und prüfen, welche Dokumente wichtig für die Seligsprechung von Löwenfels sind.

Es war ein ehrlicher Weg der Schwester, ein Weg, der zum Glauben führte.

Dr. Georg Schmidt, Jesuitenpater und delegatus episcopalis im Verfahren

„Wir schauen auch, ob die Dokumente und Aussagen schlüssig sind“, sagt Jesuitenpater Dr. Georg Schmidt. Er ist der bischöfliche Delegat in diesem Verfahren, der delegatus episcopalis. „Das größte Gegenargument bei der Seligsprechung im Fall Löwenfels ist die Möglichkeit, Löwenfels sei nur vom jüdischen zum katholischen Glauben konvertiert, weil sie Schutz vor den Nationalsozialisten suchte. Die uns vorliegenden Zeugnisse stehen dem aber entgegen“, beschreibt Schmidt. „Es war ein ehrlicher Weg der Schwester, ein Weg, der zum Glauben führte. Und diesen Weg versuchen wir anhand der Dokumente und Beschreibungen darzustellen.“

Mit dabei an diesem Tag in Dernbach waren neben Schwester Christiane Humpert und Pater Dr. Georg Schmidt, als Notar Professor Peter Platen (Diözese Limburg), als historische Gutachter Dr. Barbara Wieland (Universität Frankfurt), Dr. Norbert Jung (Erzdiözese Bamberg) und Monsignore Dr. Paul W. F. M. Hamas (Diözese Roermond), sowie Schwester Arnolda de Haas, Vize-Postulatorin des Verfahrens.

Hintergrund: Luise Löwenfels wird Schwester Maria Aloysia Löwenfels

Luise Löwenfels wurde am 5. Juli 1915 in Trabelsdorf in der Nähe von Bamberg geboren. Schon in jungen Jahren fühlte sie sich zum katholischen Glauben hingezogen. Während ihrer Ausbildung zur Kindergärtnerin in Nördlingen nahm sie am Konvertiten-Unterricht teil. Zum Missfallen ihrer jüdischen Familie konvertierte sie 1935 zum katholischen Glauben. Getauft wurde sie in der Kapelle des Ordens "Arme Dienstmägde Jesu Christi" in Mönchengladbach-Hehn. Als sie dort als Jüdin denunziert worden war, floh sie 1936 nach Geleen in die Niederlande. 1937 trat sie in Geleen in den Orden ein und nahm den Namen Maria Aloysia an. Nach dem Einmarsch der deutschen Besatzungsmacht in die Niederlande war sie auch dort nicht mehr sicher. Dennoch lehnte sie das Angebot ihres Bruders, mit dem sie nach dem Bruch mit ihrer Familie noch in Kontakt stand, ins Exil in die USA zu gehen, ab. Am 2. August 1942 wurde sie in Geleen verhaftet und mit weiteren Priestern sowie männlichen und weiblichen Ordensleuten jüdischer Herkunft, darunter auch Edith Stein, ins Konzentrationslager Auschwitz deportiert. Dort wurde sie kurz nach der Ankunft in den Gaskammern ermordet. Ihr Tod wird auf den 9. August 1942 datiert. 

Domkapitular Dr. Norbert Jung, Schwester Christiane Humpert, Prof. Peter Platen, Pater Dr. Georg Schmidt, Dr. Barbara Wieland, Schwester Arnolda de Haas und Monsignore Dr. Paul W. F. M. Hamans (von links) © Bistum Limburg