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Karfreitag ist (k)eine Zumutung

Karfreitag ist (k)eine Zumutung
Karfreitag ist (k)eine Zumutung
© K. Hutya

Karfreitag. Kein Tag wie jeder andere. Der Karfreitag mutet dem Menschen viel zu. Ein denkwürdiger, aber auch ein merkwürdiger Tag. Unverständlich für den Einen – zutiefst betroffen der Andere. Im Mittelpunkt steht genau das, was viele Menschen – oft vergeblich – versuchen zu verdrängen: Leid und Tod.

Zum zweiten Mal fand in Dernbach der "Lebendige Kreuzweg“ statt. Insgesamt fast 50 Ehrenamtliche ließen – unter der Leitung von Initiator Dieter Hambitzer – die letzten Stunden im Leben von Jesus Christus lebendig werden. Musikalisch umrahmt wurde der "Lebendige Kreuzweg" vom Kirchenchor St. Cäcilia Dernbach unter der Leitung von Tomasz Glanc.

„Sich betreffen lassen"

Zu Beginn stimmte Pfarrer Winfried Karbach die etwa 400 Anwesenden auf die Geschehnisse des Karfreitags ein: " Die Passion Jesu kennt keine Zuschauer, keine reinen Beobachter, keine Konsumenten. Sie ist kein Theaterspiel. Wenn es um das Leiden eines Menschen geht, sind Gaffer, die es heute vermehrt bei Unfällen auf der Autobahn gibt, fehl am Platz.“

Karfreitag ist kein Einzelfall. Auch wenn heute der Leidensweg eines Einzelnen im Mittelpunkt stand, so wiederholt sich der Leidensweg, der Tod tagtäglich bei unzähligen Menschen. Längst sind Gewalt, Tod, Terror keine weit entfernten Erscheinungen mehr, sie sind mitten unter uns. Zu allen Zeiten sterben Menschen durch Gewalt – gequält, verspottet, ihrer Würde beraubt. „Wir sind eingeladen, ja, vielmehr aufgefordert, vor dieser dunklen Realität die Augen nicht zu verschließen, sondern innezuhalten, nachzudenken, uns betreffen zu lassen und mitzugehen“, so Pfarrer Karbach.

Gespannt warteten die Anwesenden auf das Erscheinen der Akteure. Wie bereits im letzten Jahr so sollte es ihnen auch dieses Mal wieder gelingen, schon mit den ersten Sätzen die Menschenmenge in den Bann zu ziehen.

Seit Aschermittwoch hatten alle Beteiligten wöchentlich geprobt. Die Probenarbeit hat sich bezahlt gemacht: Das gesamte Schauspielerensemble - insbesondere der charismatische und ausdrucksstarke Markus Amenda als Jesus - bot eine ergreifende und mitreißende Darstellung. Unterstützt wurden die Darsteller hinter den Kulissen von vielen Freiwilligen, die für Kostüme, Requisiten und Technik zuständig waren.

Jesus, der Gottessohn am Kreuz

Zum Abschluss richtete Pfarrer Karbach noch einige Worte an alle Anwesenden: „Der Karfreitag ist eine Zumutung. Gefoltert, geschlagen, am Ende seiner Kräfte hängt Jesus am Kreuz. Jesus, der Gottessohn am Kreuz, dessen toter Leib ins Grab gelegt wird.“

Doch der Karfreitag steht nicht allein für Leid und Tod. Das Kreuz, es wird zu unserem Kreuz. Jesu Klage kann zu unserer Klage werden. Wer sich betreffen lässt und nicht bloß Zuschauer bleibt, der erkennt, dass letztendlich keine Situation den Menschen zu weit von Gott wegbringen kann. „Das Kreuz ist Zeichen für Tod und Leben“, so Pfarrer Karbach weiter, „Jesus Christus ist am Kreuz gestorben, aber sein Tod am Kreuz war nicht das Ende. Das ist der Brennpunkt des christlichen Glaubens. Zwei Balken. Der Senkrechte geht von Mensch zu Gott, der Waagrechte von Mensch zu Mensch. Und an der Schnittstelle finde ich mich selbst wieder.“

Nach einem abschließenden Gebet lud Pfarrer Karbach ein, nicht gleich aus der Betroffenheit heraus in das Alltagsgeschehen hinüber zu wechseln, sondern noch einen Moment in dieser hoffnungsvollen Betroffenheit zu verweilen. Die Möglichkeit dazu boten die Dernbacher Schwestern, die zum persönlichen Gebet die Klosterkirche geöffnet hatten.

Dieser "Lebendige Kreuzweg" war sicherlich keine Zumutung, sondern eine würdevolle und ergreifende Darstellung des Leidensweges Jesu Christi. Dank des Engagements so vieler Beteiligter erhielt der Karfreitag einen sehr gelungenen und bemerkenswerten Rahmen.